Der eingebildete Kranke
Von Jean-Baptiste Molière
Zum Stück
Argan, der sich einbildet, krank zu sein, bildet sich nicht nur ein, krank zu sein, er ist es. Er leidet allerdings nicht an den Kranheiten, die von seinen kurpfuschenden Ärzten behandelt werden, sondern eben an seiner Einbildung: Er ist ein Hypochonder. Er kann sich nicht anders denn als leidenden Mittelpunkt sehen. Von seiner Tochter Angelique verlangt er, dass sie den akademisch verdrehten Trottel Thomas Diafoirus, heiratet, der gerade seine medizinische Prüfung bestanden hat, damit ihm immer ein Arzt zur Hand sei. Wenn er die zweifelhafte Annehmlichkeit der stets bereiten Klistierspritze dem sicheren Glück seiner Tochter vorzieht, das sie nur bei dem jungen Cleante finden kann, und wenn er, gebeutelt von Todesfurcht, zögert, sich auch nur im Spaß tot zu stellen, weil dies doch gesundheitsschädlich sein könnte, so gewinnt er bei aller Komik etwas Dämonisches: die rasende, sich selbst und seine Umwelt zerstörende Ichsucht. Das ist die eine Seite des Stückes: die Charakterkomödie.
Die andere Seite ist die Typenkomödie. Belinde, Argans zweite Frau, hasst ihre Stieftochter Angelique und nährt den Krankheitswahn Argans, weil sie hofft von ihm als Alleinerbin eingesetzt zu werden. Das Dienstmädchen Toinette, die Vernunft als Hausmannskost, führt die Gegenintrige. Als Arzt verkleidet, verordnet sie Argan als neue Diät seine Lieblingsspeisen. Sie überredet ihn, sich tot zu stellen, und schon enthüllt sich Gattin Belinde als pietätlose Erbschleicherin, während Tochter Angelique in ihrem Schmerz ihr gutes Herz offenbahrt. So erlaubt Argan ihr, dass sie ihren Cleante heiratet, der freilich Medizin studieren muss. (...) Die Wahrheit Molières ist hier die Wahrheit der Karikatur, die erst wahr wird durch Übertreibung. Und allzusehr scheint Molière im Falle seiner ärzlichen Zeitgenossen gar nicht übertrieben zu haben.
Quelle: Georg Hensel-Spielplan
Autor: Jean-Baptiste Molière
Regie: Edi Braunhofer
Premiere: 05. Mai 2000
Auf der Bühne: Alberto Tommasi, Agnes Maierhofer, Inge Frena, Sara Iovino, Kurt Kern, Hannes Holzer, Kurt Santifaller, Simon Kostner, Giulio Viale, Herbert Mairl, Gabriele Walder
Hinter der Bühne: Edi Braunhofer, Alfons Steger, Margareth Schiener, Willi Seebacher, Claudia Dejaco, Renate Puecher, Renate Messner, Ulrich Peintner, Christoph Oberschmied, Stefania Töchterle‚ Danilo Castelletti, Paul Oberlechner, Waldtraud Hitthaler, Monika Gasser, Peter Oberhuber, Walter Eisath, Richard Kammerer, Kurt Kern, Walter Plaickner